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CyberShield unterstützt Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V.

Normalerweise reden wir bei CyberShield über Firewalls, Updates und wie man sich im Netz schützt. Aber manchmal gibt es Themen, die uns so berühren, dass wir einfach mal raus aus der Technikblase müssen. Durch die Absicherung von kritischer Infrastruktur verhindern wir, dass Menschenleben gefährdet werden. Bei der Putenklage von Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e. V. geht es aktuell um enormes, bereits bestehendes Tierleid.

Wir bei CyberShield setzen uns jeden Tag dafür ein, dass Systeme sicher bleiben und niemand schutzlos Angriffen ausgeliefert ist. Bei den Puten ist es leider genau das: Sie sind ohne Schutz und abhängig davon, dass andere für sie einstehen. Deshalb haben wir 1.500 Euro gespendet, um Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e. V. (kurz MfT BW) bei diesem wichtigen Schritt zu unterstützen. Und weil wir wissen wollten, was genau hinter dieser Klage steckt und wie es den Tieren tatsächlich geht, haben wir Annette Bischoff von MfT BW um ein Gespräch gebeten.

  • Liebe Annette, schön, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Wie kam es dazu, dass MfT BW gegründet wurde?

Annette: MfT BW wurde vor über 40 Jahren, im April 1983 gegründet. Anlass war damals, Tieren, die in Tierversuchen benutzt und missbraucht wurden, eine Stimme zu geben, überhaupt auf Tierversuche aufmerksam zu machen und tierleidfreie Lösungen zu finden und zu unterstützen. Bis dahin gab es in Deutschland eigentlich nur Tierschutz vorzugsweise für Hunde und Katzen.

  • Glücklicherweise stehen der medizinischen Forschung heute zahlreiche tierleidfreie Methoden zur Verfügung, die nicht nur ethisch vertretbar, sondern auch wissenschaftlich präziser sind: darunter moderne Organoide, die menschliche Gewebestrukturen nachbilden, Multi-Organ-Chips, die komplexe Stoffwechselprozesse simulieren, Hochleistungs-Bildgebung, die Einblicke bis auf Zell- und Molekülebene ermöglicht, sowie KI-gestützte Datenanalysen, mit denen Krankheitsverläufe und Wirkstoffwirkungen realitätsnah modelliert werden können.
    Wie setzt sich MFT BW konkret für Veränderungen ein?

Annette: Seit den frühen 90er Jahren setzen wir uns im Landesbeirat für Tierschutz in Baden-Württemberg für den Schutz und die Rechte aller Tiere ein. 2016, bei der Einführung des Verbandsklagerechts in Baden-Württemberg wurde MfT BW als einer von insgesamt drei Vereinen für das Verbandsklagerecht anerkannt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Öffentlichkeitsarbeit – wir klären über das alltägliche Tierleid in unserer Gesellschaft auf und informieren, wie jeder von uns tierfreundlich leben kann.

Annette Bischoff

  • Verstehe. Ihr nehmt politisch und juristisch Einfluss, zum Beispiel durch euer Engagement im Landesbeirat und als einer der wenigen Vereine, die in Baden-Württemberg das Verbandsklagerecht nutzen dürfen.Gleichzeitig klärt ihr gesellschaftlich über Tierleid auf und zeigt, wie man ein tierfreundliches Leben führen kann. Warum ist Tierrecht auch ein gesellschaftliches oder menschliches Thema – und nicht nur ein Tierthema?

Annette: Wie wir Tiere behandeln wirkt sich auf so gut wie alle Bereiche menschlichen und nicht-menschlichen Lebens aus. Das sehen wir beispielsweise an den Klimaveränderungen und den damit verbundenen sich verändernden Lebensbedingungen, dem Rückgang der Artenvielfalt und der Lebensräume, den Auswirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung etc.. Unsere anthropozentrische Haltung, die menschliches Leben über alles stellt, hat uns dahin gebracht und wir alle sollten uns die Frage stellen, wieso sollten menschliches Leben und menschliche Belange automatisch bedeutender sein als die anderer Lebewesen?

  • Wirklich gut zusammengefasst: nicht umsonst macht die tierische Landwirtschaft weltweit über 15 % der Treibhausgasemissionen1 aus. Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung – insbesondere für Puten?

Annette: Das Leid der Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist allgegenwärtig und umfangreich auch wenn es nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. Was die Puten anbelangt, so leben in Deutschland ca. 36 Millionen Puten in Intensivnutztierhaltung. Bezüglich der Haltungsform gibt es bis heute nur freiwillige bundeseinheitliche Eckwerte. Für die Puten bedeutet das: dicht gedrängte Haltungsbedingungen führen u.a. zu Federpicken, Kannibalismus und Fußballenentzündungen. Gegen Ende der Mast können die speziell auf Fleischansatz gezüchteten Puten kaum noch ihr Körpergewicht tragen. Das regelmäßige Schnäbelkürzen wird seit über 40 Jahren trotz Verbot ausschließlich mit Ausnahmegenehmigungen durchgeführt.

  • 36 Millionen Puten – das ist fast zehnmal so viel wie die gesamte Bevölkerung Berlins! Erst wenn man sich diese Zahl vor Augen führt, wird das Ausmaß des Leids in der Intensivhaltung richtig greifbar. Leid, das man verhindern könnte! Welche Rolle spielt das Verbandsklagerecht dabei?

Annette: Über das Mitwirkungs- und Verbandsklagerecht konnten wir überhaupt in Erfahrung bringen, dass alle Schnäbelkürzungen auf der Basis von Ausnahmegenehmigungen erfolgen. Nachdem unsere Stellungnahmen und Widersprüche dazu nicht berücksichtigt wurden, haben wir uns dazu entschlossen, uns auf juristischem Wege für diese Puten konkret einzusetzen und letztendlich die Haltung von Puten grundsätzlich zu verändern, denn nur das Verbandsklagerecht bietet diese Möglichkeit, über den Einzelfall hinauszugehen.

  • Es verlangt viel Durchhaltevermögen und Stärke, wenn man sich für etwas Gutes einsetzt und dies nicht unmittelbar wahrgenommen wird. Der Weg über das Verbandsklagerecht kann dabei auch lang und anspruchsvoll sein. Was motiviert dich persönlich, diese Arbeit zu machen?

Annette: Ungerechtigkeit jeglicher Art, Machtmissbrauch, Rücksichtslosigkeit, Egoismus und nicht zuletzt, dass Tiere nicht als Lebewesen sondern als Produktionsmittel/ Sachen betrachtet werden, sind für mich Antrieb mich zu engagieren. Das möchte ich nicht einfach so hinnehmen und gerade die Tiere sind auf unsere Hilfe und Engagement angewiesen. Ich denke alle von uns möchten Tierleid beenden und das Leben sowie die Lebensbedingungen für Tiere verbessern.

  • Deine Beharrlichkeit und dein Einsatz für die Tiere sind bewundernswert! Was können Unternehmen oder Privatpersonen tun, um euch zu unterstützen?

Annette: In erster Linie können sie uns durch Spenden, Mitgliedschaft in unserem Verein sowie durch Sponsoring unterstützen. Darauf sind wir angewiesen, damit wir uns effizient und kompetent für die Tiere einsetzen können. Gerade die juristischen Verfahren bringen hohe Kosten mit sich. Auch wenn wir uns als Verein für gemeinnützige Interessen einsetzen, erhalten wir da keinen Bonus oder Rabatt. Wir müssen die gleichen Kosten für Gutachten, Gerichtsgebühren oder auch Sachverständige bezahlen, wie unsere finanzkräftigen Gegner, die an der Nutzung der Tiere gut verdienen.

  • Wer sich bei euch einbringt, trägt also direkt dazu bei, dass Tiere wie die Puten in unserer Gesellschaft eine Stimme bekommen und MfT BW ihre Arbeit wirkungsvoll fortsetzen können. Was kann jede einzelne Person für mehr Tierrechte tun?

Annette: Jeder einzelne kann etwas für die Tiere tun. Eine vegane Lebensweise, ehrenamtliches oder auch berufliches Engagement für Tiere und Tierrechte oder auch finanzielle Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen, die sich für Tierrechte engagieren, tragen dazu bei, dass sich der Blick auf Tiere in unserer Gesellschaft verändert. So kann jeder dazu beitragen, dass sich die Lebensbedingungen für Tiere verbessern. Heutzutage ist es auch einfach, sich für eine tierleidfreie Lebensweise zu entscheiden – man muss es nur wollen.

  • Genau! Und jede Reise fängt mit dem berühmten ersten Schritt an. Also nicht warten, sondern starten. Wenn du einen Wunsch frei hättest, Annette: was würdest du dir im Hinblick auf die Themen von MFT BW, wünschen?

Annette: Mein größter Wunsch ist, dass uns ganz viele Menschen unterstützen, so dass wir unsere Ziele möglichst schnell erreichen können und unsere Arbeit nicht mehr notwendig ist.

Liebe Annette, danke, dass du uns einen so ehrlichen Einblick in eure Arbeit gegeben hast – auch in die Bereiche, die schwer auszuhalten sind. Deine Klarheit und Entschlossenheit erinnern uns daran, dass es nicht nur in der IT/OT-Security wichtig ist, Systeme zu schützen und Gefahren früh zu erkennen. Bei der Putenklage geht es darum, akute Risiken und bestehende Missstände für fühlende Lebewesen einzudämmen. Das verdient höchste Priorität. Wir sind dankbar, euch unterstützen zu dürfen, und hoffen, dass diese Klage etwas in Bewegung setzt, das weit über die Puten hinausgeht. Vielleicht sitzen wir eines Tages zusammen und sprechen nicht mehr über Abwehr oder Schadensbegrenzung, sondern nur noch über eine Welt, in der Schutz selbstverständlich ist.

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